Neuer Klang tönt aus neuen&mpfängern

Um den Olympia-Gäften aus dem Ausland Gelegen- heit zu geben, die deutfche Empfangstechnik in ihren neueften Schöpfungen kennenzulernen, werden die für das Rundiunkjahr 1936/37 gefchaffenen Empfänger nicht erft zu der am 28. Auguft beginnenden Rundiunk-Aus- ftellung auf den Markt gebracht. Sie erfcheinen vielmehr zum großen Teil fchon am 15. Juli und haben in der Zwifchenzeit bereits den Weg zum Groß- und Klein- handel, vielleicht hier und da auch fchon zum Rundiunk- hörer gefunden. Da fich das Interefie des deutfchen Hörers in den erften Auguftwochen aber ganz auf die Olympifchen Sommeripiele konzentrierte, wurde vere!n- bart, Veröffentlichungen über die neuen Empfänger erft ab 15. Auguft vorzunehmen. Hier folgt nun von unferem Berliner Mitarbeiter der erfie Empfänger-Bericht 1936/37 der FUNKSCHAU, dem weitere Berichte folgen werden.

Ein Zweikreis-Dreiröhren- Empfänger wie jedes der heute gezeigten Geräte mit eingebautem Lautfprecher. Ein ruhiges Äußere kenn- zeichnet es. Werkbild Nordmark.

UNKSCHA

ünchen, 16.8.36

"Nr. 33

Im Einzelabonn. monatlichRM. —.60

Eine kleine Auswahl unter den neuen Geräten. Tier ein gefhmackvoller Drei- röhren-Superhet mit verfchließbarer Skala. Werkphoto Saba.

Der wefentliche Fortfchritt der neuen Rundfunkempfänger gegenüber denen aus deın Baujahr 1935/36 ift in der größeren Natürlichkeitder Wiedergabe zu fehen; in viel größerem Maße als bisher haben fich die Meflungen im Entwiclungs-Labor

mit Klirrgrad und Frequenzkurven, mit dem Verhalten der End-

Ein Zweikreis-Dreiröhrengerät, das als Befonderheit eine Stromfparfchaltung enthält, die eine Stromerfpar- nis von 43% bringt. Endröhre AL 4. Werkphoto Graetzor

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ftufe und des Lautfprechers, kurz mit dem Klang befaßt, und immer wieder hat man die Geräte von erfahrenen Mufikern mit gefchultem Ohr begutachten laflen. Der ‚‚beflere Klang“, den wir feit Jahren zu jeder Funkausftellung als Schlagwort hören: in diefem Jahr ifter Wirklichkeit geworden. Die Klang- güte der neuen Empfänger aber kann ınan nicht Beichaöiben, man kann fie nur hören; fo wird man den Empfänger im neuen Rund- funkjahr noch viel mehr mit dem Ohr kaufen müflen, als bisher, und der Rundfunkhandel wird auf die mufikalifche Vorführung der Geräte in geeigneten Verkaufsräumen und aud in der Woh- nung des Kunden ein viel größeres Gewicht legen müflen, als es ihm bisher möglich erfchien. Wir aber wollen uns hier darauf befchränken, zu fagen, warum die Wiedergabe der Empfänger befler geworden ift.

Zunädhft einmal ftanden für die neuen Empfänger in den Röh- ren AL4, CL4 und AD1 neue Endröhren zur Verfügung, die bei gleicher Ausgangsleiftung einen kleineren Klirrgrad und damit geringere Verzerrungen zuließen, als die bisher bekannten Röhren. So finden wir denn in der Mehrzahl der Wechfelftrom- empfänger die AL 4 verwendet, in den meiften Allftromempfängern die CL4 und in den großen Luxusgeräten die AD 1, meift fogar

im Gegentakt. Schon der Austaufch der Röhren bei entiprechen- der Anpaflung des Netzteils, der Kopplungsmittel ufw. an diefe Röhren hat eine merkliche ee des er gebracht.

Ein Luxusempfänger, bekannt aus der vorigen Saifon, jedoch in verfchiedener Hinficht weiter verbeflert, auf einem Schallplattenfpieltifh. Werkphoto Körting.

Aud dann, wenn die neue Röhre die einzige Änderung des dies- jährigen Empfängertyps gegenüber dem des Vorjahres ift, liegt eine gewifle Fortentwicklung vor. Bei der neuen Endröhre allein ift es aber meift nicht geblieben; zum mindeften wurde der Laut- {precher gründlich durchgearbeitet und nach Kräften verbeflert. Die neuen, befleren Endröhren brachten manchen Konftrukteur zu der Einficht, daß man die in ihnen gegebene Verzerrungsfreiheit gar nicht ausnutzt, wenn man nicht auch an den übrigen Stellen des Empfängers einen befleren Klang anftrebt. Beim Lautfprecher war das Bemühen auf größere Feldftärken des Magneten gerichtet, damit man die Membran zur Erzielung des gleichen Wirkungs- grades ftärker dämpfen und ihr fo eine ausgeglichenere Frequenz- kurve verleihen kann.

Eine weitere wefentlihe Maßnahme zur Erzielung eines befle- ren Klanges ift der Bandbreitenregler, den wir diesmal bei einer großen Zahl neuer Rundfunkempfänger finden. Bekannt- lich find große Trennfchärfe und breites Tonfrequenzband zwei Forderungen, die entgegengefetzt gerichtet find; zwifchen diefen beiden Eigenfchaften muß nun in jedem Empfänger ein Kompro- miß gefchloffen werden. Ob man den Empfänger mit größerer Trennfchärfe und fo mit einem fchmaleren Tonfrequenzband, oder mit einem breiteren Tonfrequenzband und dafür geringerer Trennfchärfe ausftattete, richtete fich ftets nach den Anfıchten der Techniker und Kaufleute der betreffenden Empfängerfabrik; kam der Empfänger auf den Markt, fo war an diefem Verhältnis aber nichts mehr zu ändern, das Gerät war in diefer Hinficht „ftarr“. Der Bandbreitenregler nun macdıt aus dem ftarren einen elaftifhen Empfänger; der Befitzer kann ihn jederzeit wenn es fein muß, bei jedem einzelnen Sender auf das gün- ftigfte Verhältnis zwifchen Trennfchärfe und W iedergabegüte ein-

MERSE

Neuartig an diefem Gerät ift die Skala, die etwa kreisförmig einen großen Teil

der Gerätevorderfront einnimmt. Werkphoto Mende.

ftellen. Man wird das Tonband ftets fo breit wie möglich einftellen,

.h. man wird jederzeit mit der Trennfdhiärfe empfangen, die ge- rade fo ift, daß durch benachbarte Sender der Empfang nidıt geftört wird. Man verfügt fo ftets über die beftmögliche Wieder- gabe, mit der ein Sender überhaupt wiedergegeben werden kann. In einem folchen Gerät find alfo ein hochwertiger Ortsempfänger und ein fehr trennfcharfer Fernempfänger miteinander vereint; beim Orts- und Nahempfang und bei der Aufnahme folcher Fern- fender, in deren Wellennachbarfchaft keine ftörenden Sender lie- gen, arbeitet man mit großer Bandbreite, um beim Fernempfang

N die Bandbreite ftets fo fchmal zu ftellen, wie es zur Erzielung eines

fiörungsfreien Empfangs gerade erforderlich ift. Durch die Bandbreitenregelung bekommt der Empfänger alfo

1 einen Bedienungsknopf mehr, aber er erhält durch ihn eine zufätz-

liche fo wertvolle Eigenfchaft, daß man die etwas fchwierigere Be- dienung gern in Kauf nehmen wird. Man braucht den Bandbreiten- regler im übrigen nur dann zu bedienen, wenn man diefes ‚Mehr“ verlangt; will man die veränderliche Bandbreite nicht ausnutzen, fo ftellt man den Bandbreitenregler ein- für allemal auf ‚‚Schmal- band“ dann entfpricıt das Gerät völlig einem folchen ohne Bandbreitenregler.

Im übrigen bietet fih uns dieEmpfänger-Grup- pierung ziemlich unverändert. Neben dem Volksempfän- ger gibt es wieder den Einkreis-Zweiröhren-Empfänger zwifchen 139 und 170 RM., in den billigften Vertretern mit magnetifchem, fonft ausfchließlich mit dynamifchem Lautfprecher, darauffolgend den Zweikreis-Dreiröhren-Geradeaus-Empfänger von 220 bis bis 235 RM., der teilweife mit Schwundausgleich gebaut wird, fchließlih noch ganz wenige Dreikreis-Dreiröhren-Geradeaus- Empfänger, für die Schwundausgleich natürlich eine Selbftver- ftändlichkeit ift. Nun folgen die Superhets mit drei und vier Röh- ren und fchließlich die Groß-Superhets mit fünf und fechs Röhren, mit Gegentakt-Endftufe und teilweife mit zwei Lautfprechern. Die Preife der Superhets beginnen bei 255 RM. (billigfter Dreiröhren- Superhet) und gehen herauf bis zu 500 und mehr RM. Sie werden in allen Gruppen mit verfchiedenen Kreiszahlen, mit einfachem Eingangskreis und mit Eingangsbandfilter, ohne und mit ficht- barer Abftimmung, gebaut, fo daß wirklich für jeden Anfprudı ein geeignetes Gerät zu haben ift. Alle befleren Empfänger be- fitzen Kurzwellenteil; bei denen unterhälb der 300-RM.-Grenze verzichtet man meift darauf.

In der äußeren Ausftattung ift das Holzgehäufe vorherr- {chend ; unter 150 bis 200 Empfängern ift kein Dutzend mit Preß- gehäufen feftzuftellen. Die Skalen find faft überall größer und überfichtlicher geworden; vorherrfchend ift die waagerechte Skala, bei der die Sender in nebeneinanderliegenden Spalten angeordnet find. Daneben gibt es Zeigerfkalen, wohl aus Gründen der Billig- keit; auch die Kinofkala treffen wir wieder an. Bei manchen Ge- räten kann die Skala durch eine Klappe verdeckt werden; bei an- deren ift fie drehbar, fo daß man fie in jede Lage bringen und fo in die günftigfte Blickrichtung einftellen kann.

Die Mehrzahl der Geräte wird für Wechfelftrom und außerdem für Allftrom gebaut. In den Allftromempfängern trifft man häufig einen Eingangs-Iransformator an, fo daß das Gerät auch an 110-Volt-Wechtfelftrom-Netzen mit vollen Spannungen arbeiten kann. Bei einigen Geräten, über die noch ausführlich zu berichten ift, wurde eine intereflante und zukunftsreiche Löfung des All- ftromgerätes dadurch herbeigeführt, daß normale Wecdlfel- ffromempfänger aus dem Gleichftromnetz über einen eingebauten Wecfelrichter gefpeift wer- den. Das hat fabrikatorifch den Vorteil, daß man nur einen Emp- fängertyp herzuftellen braucht, und verwendungsmäßig den, daß auch bei Gleichftrom 110 Volt die normalen hohen Betriebsfpan- nungen zur Verfügung ftehen. Eridı Schwandt.

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Wie Itark Ichirmen Gebirge ab?

Interefiante Verfuchsbeobachtungen.

Die Abfhirmung der elektrifhen Wellen, fei fie nun durch Berge oder Häufer bedingt, wurde bisher eigentlich nur felten genauer unterfucht. Jeder weiß wohl, daß der Empfang am Dadh- boden beffer ift als im Keller, und daß befonders im Gebirge der Empfang aus einer beftimmten Richtung oft gänzlich ausfetzt, aber inwieweit diefe Beobachtungen ihre Erklärung finden, wurde faft nie näher unterfucht.

Die Frage der Abfchirmung ift aus vielen Gründen wichtig. Der Empfang in der Großftadt wird immer fchwieriger, weil die moderne Bauweife immer mehr und mehr Beton verwendet, bei dem die abfchirmende Wirkung gegenüber elektrifhen Wellen viel deutlicher zum Ausdruck kommt als bei Ziegelwerk. Neuer- dings ift die Funktechnik fogar beftrebt, Funkverbindungen durch Halbleiter hindurch zu ermöglichen. So verfucht man, durch das Gebirge hindurch eine Verbindung mit den Gruben herzuftellen. Aucd die verfchiedenen Gasfchutzräume, deren realer Wert ja leider immer deutlicher in Erfcheinung tritt, müffen mit Funk- gerät ausgeftattet werden, um von der Außenwelt Nachrichten zu erhalten. Schließlich trägt die in allen Staaten vorherrfchende Tendenz, auch in gebirgigen Landesteilen noch Empfang mit ein- fachen Mitteln, alfo den fogen. Bezirksempfang zu ermöglichen, dazu bei, die Abfchirmung durch Gebirge näher zu ftudieren.

Wir müflen nun zunädhft einmal die Frage aufwerfen, als was die für uns hier in Betracht kommenden Leiter aufzufaflen find. Früher einmal behandelte man alle diefe Leiter, wie fchon er- wähnt, als folche erfter Klafle, für die alfo das bekannte Ohmfche Gefetz gilt. Heute wiflen wir, daß ihr Aufbau ungleich kompli- zierter ift. Am beften ift es, wenn wir uns diefe als Gerüfte vor- ftellen, die aus metallifchen und elektrolytifchen Leitern beftehen und in die dielektrifchen Bezirke eingelagert find. Es ift klar, daß ein fo kompliziertes Gebilde beim Auftreffen elektromagne- tifcher Wellen ganz andere Wirkungen hervorrufen wird, wie eine Metallfcheibe oder ein Metallgitter. In diefen beiden kann ja nur Leiftungsabforption auftreten, das heißt, ein Teil der Feldenergie induziert in diefen Ströme, die wieder Wärme cer- zeugen. Bei Elektrolyten ift die Sache aber fhon komplizierter, weil wir hier Zufammenhänge mit der Frequenz gegeben haben, die wir nicht mehr überfehen dürfen. Noch komplizierter wird aber die Sache durch die Einführung der erwähnten dielektrifchen Bezirke, in denen Verfdhiebungsftröme und damit Verfchiebungs- abforptionen auftreten.

Die Verhältniffe können wir am anfchaulichften an Hand eini- ger Verfucsergebnifle ftudieren. In Fig.1 fehen wir die prinzi- pielle Meßanordnung. S ift der Sender, E der Empfänger, und zwifchen beiden liegt der zu unterfuchende Halbleiter, alfo etwa ein Berg oder aber eine Betonwand. In der Nähe des Senders S können wir die elektrifhe Feldftärke E; meflen und im Emp- fangsorte beträgt fie nur mehr E.. Wie fie zwifchen beiden ab- finkt, ift in der Abbildung eingezeichnet. Nun wollen wir die Frequenz des Senders ändern. Damit verändern wir aber auch gleichzeitig das Verhältnis E./Es. In Fig. 2a ift eine foldhe mög- liche Kurve dargeftellt, wie fie früher als allgemein richtig ange- nommen wurde. Wir fehen, daß die Feldftärke im Empfänger bei gleicher Senderleiftung mit zunehmender Frequenz abnimmt. Im Bereiche der Rundfunkwellen gilt diefe Kurve auch und ihre Übereinftimmung mit tatfächlich durchgemeflenen Kurven ift eine durchaus brauchbare. Im Bereiche der kürzeren Wellen aber er-

Nr.60 Der Ausdruck ‚Kreuzmodulation“

wird derart viel benutzt, daß es ratfam ift, fich mit feiner Bedeu- tung ein wenig näher zu befchäftigen. Diefem Zweck dient der vorliegende Auffatz. Er fagt, was unter „Kreuzmodulation“ ver- ftanden werden foll, er zeigt, daß man mitunter auch dort von Kreuzmodulation fpricht, wo gar keine Kreuzmodulation vorliegt, und weift fchließlich darauf hin, daß Kreuzmodulationen aucd außerhalb des Empfängers eine ganz bedeutfame Rolle fpielen. Um die Bedeutung des Wortes ‚„Kreuzmodulation“ einwandfrei ergründen zu können, müflen wir zunäcft feine Beftandteile be- trachten. In diefem Sinne beginnen wir mit der Modulation im allgemeinen, um daran anfchließend das Befondere der „Kreuz“- Modulation kennenzulernen.

Modulation ift „Einprägung“.

Alle Wellenzüge eines Senders, der fendet, ohne befprochen oder befpielt zu fein, find einander völlig gleich. Ein Wellenzug ift

halten wir fchon ein anderes Bild, das uns Fig. 2b zeigt. Im Be- reihe von ungefähr 90 Metern zeigt die Kurve ein Minimum, dem ein Anftieg folgt. In letzter Zeit habe ich nun eine ganze Reihe weiterer Verfuche unternommen, um den Verlauf der Kurve im Bereihe noch kürzerer Wellen zu ftudieren und fo weit ich deren Ergebnifle fchon jetzt zufammenfafflen kann, fcheinen fie den in Fig. 2c dargeftellten Kurvenlauf zu beweifen. Man fieht alfo, daß die Abfchirmwirkung eine komplizierte Funktion der Frequenz ift. Es ift möglich, daß z. B. in einer Höhle bei einer be- fiimmten Frequenz guter Empfang möglich ift, während er bei einer anderen ausfetzt. Dies ift für uns deshalb von großer Wich- tigkeit, weil wir in Zukunft überall dort, wo der Empfang infolge

Links: Fig. 1. Die prinzipielle eßanordnung.

Rechts: Fig.2a,b, c. Kurven,

die abhängig von der Wellen-

länge das feftgeftellte Verhält- nis Ee zu Es angeben.

20 Wellenlänge A +—

einer Abfhirmung unmöglich oder fchlect ift, durch Veränderung der Wellenlänge Abhilfe fchaffen werden. Die Lage der Maxima und Minima aber ift von den befonderen Eigenfchaften des durch- drungenen Materials abhängig. Insbefonders find die in ihm ent- haltenen wäflerigen Löfungen, deren Zufammenfetzung und Kon- zentration, fowie gewifle andere Faktoren von Einfluß. Jch glaube fogar, daß durch die Beftimmung diefer Maxima, die im Verfudhs-

Fig.3. Ein Querf&hnitt durch die Höhle, in der der Verfafler die Verfuce antftellte,

wege leicht erfolgen kann, fehr wertvolle Auffchlüffe über die Art und die Zufammenfetzung des durcftrahlten Gebirges gewonnen werden könnten. So müßte fich z. B. ein eingelagertes Erzlager in einer Deformation der befprochenen Diagramme verraten. Da- durch aber erhielte die Funkmutung eine ganz neue, überaus an- wendbare Methode, an deren weiterem Ausbau insbefondere die Montaniftik interefliert wäre.

Auf Grund der bisher angeftellten Erwägungen ift es aber auch erklärlich, daß entgegen der fonft verbreiteten Annahme oft auf ganz kurzen Wellen noch in tiefgelegenen Höhlen guter Empfang möglich fein kann. Die fhon bekannten Ergebnifle möchte ich durch das Refultat meiner letzten Kotterbacher Verfuche ergän- zen. In der in Fig. 3 dargeftellten Höhle, die 50 Meter unter der Erde liegt und deren Mundloc. ftark verbrochen ift, war guter Empfang auf dem 20-Meter-Bande noch in den entfernteften Winkeln möglich. Volker Fritich.

Was ift Kreuzmodulation?

fo kräftig wie der andere, alle zeitlihen Abftände ftimmen mit- einander überein und die Sendefrequenz bleibt ffändig auf dem gleichen Wert. Sobald aber der Sender befprochen wird, müflen feine Wellen die wiederzugebenden Töne in den Raum hinaus- tragen. Sie tun das auch. Offenbar find die Töne den ausgeftrahl- ten Wellen eingeprägt, was man üblicherweife dadurdh zum Ausdruc bringt, daß man fagt: Die Sendewellen find den Tönen gemäß ‚‚moduliert“.

Die Einprägung (oder ‚„Modulation“) kann in verfchiedener Form gefdıehen. Man kann die Sendewellen in ihrer Stärke ändern, man kann die Töne aber auh durh Frequenzände- rungen der Sendewelle oder durch gegenfeitige zeitliche Ver- f{hiebungen der einzelnen Wellen abbilden und fo den Wellen einprägen. Für Rundfunkzwece wird heute nur die erfte der drei hier genannten Möglichkeiten ausgenutzt, weshalb wir uns bei der Befprechung der Kreuzmodulation auf diefe Einprägungsform be- fchränken können.

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Das Zuftandekommen der Modulation.

Die Töne werden durch das Mikrophon, wie bekannt, in Span- nungsidıwankungen umgeformt. Wie diefe Spannungsfchwankun- gen auf die im Sender erzeugte Hochfrequenzfpannung und da- mit auf die Sendewellen übertragen werden, wollen wir uns an Hand der Schaltung von Abb. 1 klarmachen. Das Steuergitter der dort gezeigten Fünfpolröhre erhält über den linksfeitigen Schwing- kreis die zu verftärkende Hochfrequenzfpannung. Außerdem er- hält das Gitter zufätzlich zu der für den Betrieb nötigen Gitter- vorfpannung die vom Mikrophon herrührende Tonfrequenz- fpannung. Die Gefamt-Gittervorfpannung fchwankt demnach im Sinn der Schallwellen. Mit der Gittervorfpannung fchwankt audı

modulierte Hochfreqguenz - Spannung

N S IS S NS S eS D N S S S S > N

Abb. 1. Eine Modulationsfchaltung.

der Arbeitspunkt der Röhre und kommt dadurdı wecfelweife in fteilere und flachere Gebiete der Röhren-Arbeitskennlinie (Abb. 2). Jedesmal, wenn der Arbeitspunkt auf ein fteileres Kennlinienftück gefchoben wird, fällt die Verftärkung kräftiger aus, und jedesmal, wenn der Arbeitspunkt auf ein flacheres Kennlinienftück gefcho- ben wird, ergibt fidı eine entfprechend geringere Verftärkung. Die verftärkte Hochfrequenzfpannung fhwankt demnach derart, al diefe Schwankungen die l'oonfrequenzfpannung getreulid ab- ilden.

Kreuzmodulation ift gegenfeitige Einprägung.

„Kreuz“ heißt hier foviel wie ‚‚kreuzweife‘“ oder „gegenfeitig“. Das „gegenfeitig‘““ bezieht fich auf zwei bereits modulierte Hodıh- frequenzen.

Kreuzmodulation bedeutet demnadı, daß die Einprägungen einer Hochfrequenzfpannung oder einer elektrifhen Welle auf eine zweite Hochfrequenzfpannung oder auf eine zweite Welle übertragen werden.

Durch Kreuzmodulation kann es alfo beifpielsweife gefchehen, daß wir beim Abftimmen auf einen Sender mit deflen Darbietun- gen auch die Darbietungen eines zweiten Senders mit herein- bekommen.

Die Gegenfeitigkeit braucht dabei nicht voll in Erfcheinung zu treten: Wenn einer der beiden Sender am Empfangsort viel flär- ker zur Wirkung kommt, fo find offenbar nur die Darbietungen des ftärkeren Senders beim Empfang des fdhwächeren Senders durchzuhören, während fich der fdhwächere Sender beim Empfang des ftärkeren Senders kaum bemerkbar machen wird.

Kreuzmodulation oder mangelnde Trennfcärfe?

Wenn bei Empfang eines Senders die Darbietungen eines zwei- ten mit durchzuhören find, fo brauct das natürlich keine Kreuz- modulation zu fein. Meift fogar wird es fih nur um den ganz einfachen Fall ungenügender Trennfchärfe handeln. Um das klar- zuftellen, beobachten wir die Lautftärke des ftörenden Senders, während wir mit der Abftimmung von dem geftörten Sender aus auf ihn übergehen. Verfchwindet bei diefem Übergang der ftörende

Arbeitskennlinie

g S < & R S X

höhere Verstärkung Arbeitspunkt-Ruhelage

geringere Verstärkum Abb.2. Eine Empfängerftufe verftärkt

um fo höher, je größer die Steilheit der

Arbeitskennlinie ift. Durch Verfcdieben

des Arbeitspunktes läßt fich fomit die Verftärkung ändern.

Gitterspannung

Sender, um erft bei feiner eigenen Abftimmung wieder aufzutau- chen, fo haben wir es mit Kreuzmodulation zu tun. Verfchwindet der ftiörende Sender zwifchendurd, aber nicht, fo liegt einfach mangelnde Irennfchärfe vor.

Doch die eigentliche Kreuzmodulation hat vielfach mit man- gelnder Trennfhärfe zu tun. Modulation kommt wie wir wif- fen ftets durch gegenfeitige Beeinfluffung zweier Spannungen zuftande. In Schwingkreifen, Spulen, Kondenfatoren oder Wider- ftänden find foldhe Beeinfluffungen unmöglich. In Röhren aber können fie vorkommen. Daraus folgt, daß im Empfänger eine gegenfeitige Einprägung (Kreuzmodulation) nur auftritt, wenn

der ftörende Sender genügend kräftig bis in die erfte Röhre des Empfängers hinein wirkt. Das kann er aber nur, wenn ihn der auf den anderen Sender abgeftimmte Schwingkreis entfpredhiend durcläßt, wenn diefer Schwingkreis alfo nicht genügend wirkfam ift. Die im Empfänger auftretende Kreuzmodulation bekämpft man daher genau wie ungenügende Irennfchärfe durch Ein- bau eines zufätzlichen Schwingkreifes zwifchen Antennenanlage und Empfänger.

Abftimmbarer Brumm auch Kreuzmodulation?

Abftimmbarer Brumm liegt vor, wenn das Netzbrummen beim Abftimmen auf die Sender befonders kräftig zur Geltung kommt. Offenbar wirkt hierbei die Netzfpannung modulierend auf die Hochfrequenzfpannung des empfangenen Senders ein. Hierbei handelt es fich jedoch nur um eine gewöhnliche Modulation, da die Brummfpannung eine Niederfrequenzfpannung und keine mo- dulierte Hochfrequenzfpannung ift.

Kreuzmodulation auch im Äther!!)

Die Lufthülle der Erde hat in etwa 100 km Höhe eine empfind- lihe Schicht die Heavefidefchidıt. Diefe Schicht enthält unge- heuer viele winzigfte elektrifche Teilchen, die den Wirkungen der Sendewelle unterworfen find. Ein fehr kräftiger Sender kann nun dort, wo feine Wellen mit genügender Stärke die Heavefidefchicht erreichen, auf die elektrifchen Teildıen eine derart ftarke Wir- kung ausüben, daß dadurch die anderen, dort durchlaufenden Wellen in Mitleidenfchaft gezogen werden. Ift die Welle des kräf- tigen Senders moduliert, fo teilt fich feine Modulation auf diefem Wege den Wellen der anderen Sender mit.

Was wir eben betrachtet haben, ift uns in feiner Auswirkung fchon längft als „Luxemburg-Effekt“ bekannt. Vielleicht aber war uns noch nicht klar, daß der Luxemburg-Fffekt in einer Kreuz- modulation befteht, die in der Heavefidefchicıtt zuftandekommt.

Störungen kommen durch Kreuzmodulation zur Geltung!

Beim Abftimmen auf einen Langwellenfender kann man mit- unter kräftige Störungen bemerken, die völlig verfchwinden, wenn der Sender abgefchaltet wird. Auch dabei handelt es fih um Kreuzmodulation: die Störungen, die nur während des Betriebes des eingeftellten Senders zur Geltung kommen, liegen offenbar in einem weit von der Abftimmung entfernten Frequenzbereich und können demnach unmittelbar gar nicht empfangen werden. Die Störungen aber prägen fih wahrfceinlidı in der Heavefide- fchicht und in den Stellen der Lufthülle, in denen fie durdı elek- trifche Entladungen entftehen allen Sendewellen ein. Mit die- fen Wellen werden fie dann empfangen.

Kreuzmodulation fogar am Empfangsort!

Gelegentlih wenn auc felten erhält man die Ortsfender- Darbietungen gut abftimmbar als Zugabe zu einer größeren Zahl anderer wahllos über den Wellenbereich verteilter Sender.

Aud das ift Kreuzmodulation! Die Einprägungen der Orts- fenderwelle werden hierbei in den Hauswänden oder an Erdungs- ftellen den anderen Wellen mitgeteilt. Diefe Art der Kreuzmodu- lation hängt ftark mit der Witterung zufammen. Sie ift in der Re- gel bei feuchter Witterung befonders kräftig.

Wir merken:

1. Kreuzmodulation befteht darin, daß fich die Modulation einer Hochfrequenzfpannung oder Sendewelle auf eine an- dere Hochfrequenzfpannung oder andere Sendewelle über- trägt.

2. Kreuzmodulation ift daran kenntlich, daß der ftörende Sen- der nur gemeinfam mit dem jeweils abgeftimmten Sender zur Geltung kommt.

3. Kreuzmodulation tritt auf: in der erften Röhre des Empfän- gers, in der Heavefidefchicht und am Empfangsort.

4. Die atmofphärifchen Störungen wirken fich großenteils durch eine in der Heavefidefhicht zuftandekommende Kreuz- modulation auf die Sendewellen und über diefe auf die

Empfangsanlage aus. F. Bergtold.

1) Die hier dargelegte Erklärung des „Luxemburg-Effekts“ wird von der übrigen Fachwelt nicht gegeben. Sie erfcheint jedodı fo verftändlich, daß wir fie ohne jede Änderung zum Abdruc bringen. (Die Schriftleitung.)

Bereits feit zwei Jahren beziehe ich Ihre FUNKSCHAU und kann Ihnen verfichern, daß Sie es wie keine funktechnifhe Zeitfchrift verftehen, einen außerordentlich umfangreichen Stoff in einwandfreier, anfchaulicdher und kon- sentrierter Form zu bieten. _

9.5. 35. Rolf Eichacker, Mering bei Augsburg, Arbeitsdienftlager.

Gleichzeitig möchte ich Ihnen für Ihre FUNKSCHAU, welche ich fdhon feit 1932 regelmäßig beziehe, meine größte Anerkennung ausfprechen. Obwohl idh tadiotechniker bin, habe ich aus ihr fhon manchen Kniff und manche An- regung erhalten, fo daß ich fie heute nicht mehr miflen möchte.

10. 9. 35. Hans Munckwitz, Frankfurt/M, Gutleutftraße 13,

Im übrigen möchte idı Ihnen als Elektro-Ingenieur noch meine äußerfte Zufriedenheit mit dem von der FUNKSCHAU Gebotenen zum Ausdruck bringen. 14. 5. 35. Herm. Kranen, Düfleldorf-Kaiferwerth, Einbungen 4D.

Störunterdrückung am Empfänger?

Über neue amerikanilche Verluche

Die Unterdrükung der Empfangsftörungen am Empfänger felber gehört zu den höchften Wunfchzielen der Radiotechnik. Was kann dagegen getan werden, wenn im Sommer der l’ernempfang manchmal in einem „atmofphärifchen 'Trommelfeuer“ untergeht. Nichts Durdhgreifendes! Oder wenn eine Straßenbahn trotz aller Vorfichtsmaßnahmen einen ganzen Straßenzug ‚verforgt‘“?

Abgefcdiirmte Antennenableitungen, Hochfrequenz-Siebketten in‘der Netzzuleitung, Tonblenden und ‚Störfperren“, oder aber der Übergang zum Kurzwellenempfang haben zwar etwas ge- beflert, aber den fchlimmften Feind des Rundfunks keineswegs aus der Welt gefchafft. So können wir das Auffehen verftehen, das kürzlich das Auftlauchen !) einer amerikanifchen Erfindung verurfachte, mit der die empfängerfeitige ÄAusfperrung eines großen Teils der üblichen Störungen gelungen fein foll, ohne den Klang oder andere Eigenfidiaften des Geräts zu beeinträchtigen, und ohne einen befonders großen Aufwand zu verlangen!

Das Prinzip.

Das neue Störbekämpfungs-Syftem kann ausfdließlich zur Un- terdrücung von Störungen verwendet werden, deren Spitzenwert über dem Scheitelwert der empfangenen, modulierten Hoch- frequenzfpannungen liegt, und die vorwiegend aus einzelnen Störungs-Stößen beftehen. In Abb. 2a ift eine charakteriftifche Störung diefer Art als Beimifchung zur Empfangs-Hochfrequenz {diematifch gezeichnet, fo etwa, wie wir fie als ofzillographilches Bild am Empfangsgleichriditer erhalten können. Derartige Stö- rungen entftehen beifpielsweife bei Kraftwagen-Zündanlagen, elektrifchen Klingeln, Relais, Lichtfchaltern oder ähnlichen Strom- kreifen, bei denen einzelne Stromfiöße auftreten. Das Entftö- rungs-Verfahren aber beruht darin, diefe Störungs-,,Spitzen“ zu unterdrücken. Dadurdı kann der Empfang ganz wefentlich ver- beflert werden, obwohl das Grundgeräufdı (vgl. Abb. 2a), das fchwädıer ift als der Empfang, nacdı wie vor beftehen bleibt.

SloB-Störungen

&<

_E& mpfangs- Schwingung

_—-Grund-Störungen ? e

Abb. 2b. ... nicht dagegen Stö-

rungen von hohem Grundge-

räufch und obne „einzelfte- hende“ Spitzen (Motoren).

Abh. 2a. Stoßartige Störungen (Auto- Zündung, celektrifche Klingel, Relais, Lichtfchalter) mit niederem Grundge- räufh, deren Spitzenwert über dem der modulierten Hochfrequenz liegt, können mit der amerikanifchen An- ordnung wirkfam bekämpft werden ...

Intereflant ift, daß diefe ‚Spitzen“ einfach durch kurzzeitige „Abfchaltung“ (Sperrung einer ZF-Stufe, f. u.!) des Empfängers unhörbar gemacht werden. An Stelle der Stärungsftöße treten alfo bei einem foldhen Empfänger immer ganz kurze (ca. !/,oon SCC.) Empfangspaufen auf, die aber angeblich wegen ihrer Kürze vom Hörer nicıt bemerkt werden, und fomit den Mufikgenuß oder die Spracdhverftändlichkeit praktifch nicht beeinträchtigen follen! Folgen natürlidh die Störftöße zu dicht aufeinander, fo ift der Empfänger fortwährend ‚abgefchaltet“, d. h. die Apparatur hilft uns nichts mehr. Ebenfo machtlos ift fie aber gegen Störungen, deren Spitzenwert nidıt den der empfangenen Hochfrequenz über- fchreitet (Abb.2b). So fehen wir, daß mit dem neuen Prinzip zwar viel zu erreichen ift, aber auch wieder nichts Durchgreifen- des, denn die Entftörung befchränkt fich prinzipiell auf beflimmte Arten von Störungen.

Eine Stoßdämpfer-Schaltung.

Die „Abfchaltung“ des Empfängers wird praktifch dadurc er- reicht, daß eine Röhre des ZF-Verftärkers durch eine negative Gittervorfpannung kurzzeitig gefperrt wird. (Vergl. Abb. 1.) Mit der üblihen Schwundausgleichs-Einrichtung können wir alfo diefe Sperrung nicht vornehmen, denn diefe befitzt im allgemeinen eine Verzögerung von !/,, sec. und darf auch nicht fchneller ar- beiten, da fonft der Schwundausgleich bei tiefen Frequenzen be- ginnen würde, die Modulation der empfangenen FHochfrequenz auszulöfchen (Schwächung der Baßwiedergabe!).

Folglich müflen wir die Sperrung der ZF-Röhre auf einem anderen Weg vornehmen. Dazu ftecken wir in den ZF-Verftärker eine Sechspolröhre (V,). Mit ihrem Verteilungsgitter können wir die Verftärkung unabhängig vom Schwundausgleich drofleln. Die

1) J. J. Lamb, Februarheft 1936 der „OST“.

Droflel- oder Sperrfpannung wird über die Hilfsverffärkerröhre V;,, die parallel zu V, aus dem erften ZF-Filter (Z,) gefpeift wird, und den Hilfsgleichrichter (D) ebenfalls felbftändig gewonnen. D ift als Doppelweg-Gleichrichter gefchaltet (eine Anordnung, die man bei uns kaum findet). Seine Siebkette (S) ift fo bemeflen, daß die Verzögerung bei der Sperrfpannungsgewinnung fo gering als irgend möglich ift. Nur fo kann erreicht werden, daß die Stö- rungsftöße fi felber blitzfchnell den weiteren Weg durch den

Normaler ZF-Verstärker Ssperr-Spannung 22 0 S + + Ein

$ = negative Schwundregelspng.

Abb.1. Die Abfchaltung des Empfängers wird durch kurzzeitige Sperrung einer Röhre erreicht.

Empfänger verfperren. Die Anordnung arbeitet nämlich folgen- dermaßen: An Z, und fomit an den Gittern der Röhren V, und V, find nocı fämtliche Störungen vorhanden. Der mit fehr kleiner Verzögerung arbeitende Hilfsgleichrichter wird alfo einen Gleic- fpannungs-Stoß erzeugen, fobald eine ftoßartige Störung eintrifft. Diefer Gleichfpannungs-Stoß aber wird auf das Verteilungsgitter der Hexode (V,) geleitet, fo daß er der Störung den Weg vom Steuergitter diefer Röhre zu ihrer Anode verbaut. Die an das Filter (Z,) gelangende Zwifchenfrequenzfpannung wird alfo bereits von Stoßftörungen befreit fein.

Damit der Hilfsgleichrichter (D) fih um die Modulation der empfangenen Hodhfrequenz nicht kümmert das könnte ver- heerende Verzerrungen hervorrufen —, wird ihm über ein Po- tentiometer (P) eine einftellbare Kathoden-Vorfpannung erteilt, die den Gleichrichter erft wirkfam macht, wenn Spannungen auf- treten, die höher find als der Scheitelwert der modulierten Emp- fangs-Hochfrequenz. Daraus erfehen wir fofort, warum die Schal- tung machtlos ift gegen Störungen, die die Empfangsfpannung nicht wefentlidı überfchreiten (Störungen nach Abb. 2b)!

Im übrigen ift die Grundvorfpannung der Hilfsröhre V, zwangs- läufig mit derjenigen der Hilfsgleichrichterröhre verknüpft, und außerdem liegt die Hilfsröhre mit an der Schwundregelfpannung. So wird am eheften erreicht, daß die Sperrfpannung ftets auf dem günftigfien Wert gehalten wird.

In der Praxis.

Bei Superhets mit 2ftufigem ZF-Verftärker wird die Anwen- dung der neuen Störunterdrücungs-Schaltung nicht fehr fchwierig fein, fo daß fogar der fortgefchrittene Baftler fich an diefe Ver- fuche wagen kann. Ganz befondere Sorgfalt wird dabei natürlich auf die Erhaltung der Stabilität zu verwenden fein.

Die Ergebniffle mit der neuen Anordnung follen teilweife ver- blüffend gut gewefen fein. Zündftörungen konnten im allge- meinen gänzlidı unfchädlich gemacht werden, ebenfo die Störun- gen durch einen Funkeninduktor, der im gleichen Raum aufge- ftellt war wie der Empfänger. Befonders lohnend foll die An- wendung der Schaltung bei Telegraphie-Empfang fein, wo es oft gelang, ein fonft vor Störungen völlig unlesbares Signal ein- wandfrei aufzunehmen. Hier dürfte allerdings wefentlich fein, daß der Empfänger mit einem befonders auf Telegraphie zugefchnit- tenen Schwundausgleich eingerichtet ift, da fonft das Signal felber einen Wert erreichen kann, der genau wie ein Störungsftoß zur Sperrung des Empfängers führt. |

Das teilweife durchaus gerectfertigte Auffehen, das die Er- findung erregt hat, darf uns nicht darüber hinwegtäufchen, daß ihr Anwendungsgebiet fcharf auf beftimmte Störungstypen be- fchränkt ift und prinzipiell befchränkt fein muß, fo daß ein Aus- bau der Sperr-Methode auch für alle anderen Störungstypen kaum zu erwarten ift. Wilhelmy.

262

Abb. 2. Die Front- anfıcht des Vorfetzers

Es ift eigentlih verwunderlich, daß immer noch verhältnis- mäßig wenig Kurzwellengeräte refp. Kurzwellen-Vorfatzgeräte benutzt werden, die doch dazu beftimmt wären, die meift etwas mageren Fernempfangsergebniffle der Sommermonate auf mühe- lofe Weife zu ergänzen. Hinzu kommt neuerdings der Ultrakurz- wellenempfang, der atmofphärifchen Störungen faft gar nicht unterliegt und an gewitterfchwülen Tagen den Hörern im Bereich des Ultrakurzwellenfenders Witzleben einen fauberen, genuß-

reichen Empfang gewährleiftet.

Die Schaltung.

Das im nachfolgenden befchriebene Gerät ftellt an den Geld-

beutel keine zu großen Anfprüche, ebenfo ift ein Verfagen bei Be- achtung einiger einfacher Grundfätze ausgefchloflen. Wie aus dem Gefamtfchaltichema Abb. 1 erfichtlich, handelt es fih um das alt- bewährte rückgekoppelte Audion, das ja in Einfachheit im Aufbau und in der Bedienung, fowie in der Stabilität kaum zu über- treffen ift. " Da ein Wellenbereich von ca. 6,5—50 m, alfo ein Frequenz- band von ca. 40000 kHz, zu beftreichen ift, fcheidet eine Spulen- kombination mit Umfcaltern aus; denn diefe Methode würde Verlufte und eine große Unficherheit mit fich bringen. Gelöft wurde das Spulenproblem durch Verwendung von im Handel er- hältlicdien Steckfpulen. Das Wechfeln des Wellenbandes gefchieht alfo mit einem Griff durch Austaufchen des einen Spulenfatzes mit einem anderen.

Um aber audı diefes Gerät ohne lange Bafteleien an jedem Rundfunkempfänger gleicher Stromart verwenden zu können,

VltraKW

K ——.

Abb. 5a. Ein Schaltbild für 77

die Anfertigung der Spule

Stecker Aufsiopt für Kurz- und Ultrakurz- wellenempfang.

A 7, Hr H, G

wurde ein eigener Gleichrichter, fowie im Ausgang ein NF-Trafo vorgefehen. Dadurch ift es gleichzeitig möglich gemacht, mit Kopf- hörern zu hören.

Zur Erreichung von Lautfprecherlautftärke wird diefes Gerät wie üblich an die Grammophonbuchfen des Rundfunkempfängers, beim Volksempfänger an Gitter und Kathode (Erde) der erften Röhre angefchaltet.

Freunden von Kunftfchaltungen fei noch gefagt, daß es nur ge- plant war, mit geringften Mitteln befte Wirkung zu erzielen. Ge- wiß befeitigt eine Vorftufe bekannte Abftimmfchwierigkeiten, aber die dadurch gewonnene Leiftungserhöhung bedingt natürlich einen größeren Aufwand.

Der Aufbau.

Aus nichtleitendem Material (am beften und billigften Sperr- holz) wird ein Rahmen nach Abb. 4 gebaut, gleichzeitig werden Netzfchalter und Ausgangsbuchfen montiert.

Eine vollftändige Abtrennung des Empfängerteils vom Netz- teil auf dem Chaflis hat fidh als günftig erwiefen. Aus diefem Grunde werden beide Teile für fih gebaut, die fpäter auf dem Rahmen befeftigt werden. Als Material für die Montageplatte des Empfängerteils wird Aluminiumbleh von mindeftens 1,5 mm Stärke benutzt, das fich, wie bekannt, fehr gut mit Laubfägeblät- tern für Metallbearbeitung bearbeiten läßt.

Im Gleichrichterteil, der auf ein rechtwinklig gebogenes Alu- miniumblech gefetzt ift, wird der Netztransformator fowie die Beruhigungsmittel ähnlich wie in Abb. 3 befeftigt. Der Verfuc, einen vorhandenen Einweggleichrichter zu verwenden, fchlug fehl. Es war nicht möglich, den Empfang reftlos von Netzbrummen zu befreien. Sollte nicht ein in der Baftelkifte vorhandener kleiner

(van unten gesehen)

Ein Vorletzer für Kurz- und Ultrakurzwellen-Empfang

für Wechlelltrom

Netztrafo zum Betreiben einer Gleichrichterröhre der Größe RGN 504 vorhanden fein, fo empfiehlt es fidh, wie im Muftergerät einen evil. felbftgefertigten Transformator mit zwei Sekundär- wicklungen von je 150 Volt zu benutzen. Da eine als Audion ge- fchaltete Röhre ja mit höchftens 100—125 Volt Anodenfpannung auskommt, muß etwaige überfhüflige Spannung durch Wider- ftände vernichtet werden. Eine kleine Netzdroflel neben den übli- chen Kondenfatoren von 6 uf forgt für einen geglätteten Anoden- ftrom. Äußerft wichtig ift die Überbrückung beider Heizleitungen durch Blockkondenfatoren von je 5000 cm. Eine Netzhochfrequenz- droflfel fowie ein Entbrummer hat fich im Muftergerät nicht als notwendig erwiefen. Die Heizleitung der Empfängerröhre ift wie üblich zu verdrillen und ficherheitshalber abzufhirmen.

Aufbau und Sonftiges.

Die Höhe der Frontplatte des Empfängerteils wird beftimmt durch den Durdhmefler der Abftimmfkala. Sie beträgt beim Mufter- gerät 25 cm. Der Abftimmdrehkondenfator hat eine Kapazität von 85 cm und muß eine abfolut präzis arbeitende Feinabftimmung befitzen, denn nur dann ift es möglich, die oft gedrängt fitzenden Sender einwandfrei zu trennen. Es ift auch völlig ausgefchloflen, durch direktes Betätigen der metallifhen Achfen des Drehkonden- fators auf dem Ultrakurzwellengebiet eine Abftimmung zu errei- chen, vielmehr find die Achfen durch Pertinaxrohr bzw. Hart- gummiftäbe zu verlängern. Diefelbe Maßnahme zur Befeitigung der Handkapazität ift auch wichtig für die Achfe des Rückkopp- lungskondenfators und des Drehfpannungsteilers. Diefe drei ge- nannten Abftimm-Mittel werden dann gemäß Abb. 2 und 3 auf dem Empfängerteil befeftigt und prinzipiell recht weit von der Frontplatte entfernt.

Wie bereits befprochen, wurde eine vollftändige Trennung des Empfängerteils vom Netzteil vorgefehen. Da aber die Rotoren von Ci und C2 an Erde liegen müflen, was aber bei der Front- platte verhindert werden foll, {fo werden die Drehkondenfatoren ebenfo wie der Drehfpannungsteiler vorher auf Pertinaxfireifen befeftigt und diefe wiederum dann direkt refp. mit kleinen Alu- miniumwinkeln auf der Grundplatte des Empfängerteils. Der Drehfpannungsteiler wurde vorgefehen, um eine Verftiimmung des Empfängers beim Rückkoppeln weiteftgehend zu verringern. Am beften hat fich eine drahtgewickelte Ausführung mit Taumel- fcheibe bewährt. Über C1 wird dann an der Trennwand des Netz- teils ein Aluminiumwinkel befeftigt, der einen erftklafligen fünf- poligen Röhrenfocel trägt (Abb. 3). Wie ebenfalls aus Abb. 3 erfichtlih, wird die Verbindung zwifchen dem Gitter der Röhre und dem gitterfeitigen Ende der Abftimmfpule nur durch den Gitterblock 111 pF (100 cm) induktionsfrei hergeftellt. Der Spulen- fatz felbft befindet fich innerhalb eines Hartpapierrohres von ca. 60 mm lichter Weite und ca. 55 mm Länge, der mittels eines Sperrholzbrettchens an die Vorderwand angeflanfcht wurde. Eine am Ende diefes Rohres eingepaßte Sperrholzfcheibe trägt wieder- um einen erftklafligen fünfpoligen Röhrenfockel, beftiimmt für die Stecker des Spulenfatzes.

Die Ultrakurzwellendrofflel Dr1 wurde auf einen gerippten Ifoliermaterialkörper eines früheren Spannungsteilers von 20 mm Durchmefler aufgebracht, und zwar wurden 40 Windungen blan- ker Kupferdraht, 0,8 mm, aufgewickelt. Die HF-Droffel 2 befitzt eine ausgezeichnete Sperrwirkung für hohe und hödıfie Fre- guenzen.

Abb.3. Das Gerät von oben, das den Aufbau vor- züglih erkennen läßt. Sämtl. Aufn. vom Verfafler.

Um die befte Leiftung zu erreichen, wurde zum Wickeln der Spulen und zum Schalten des Empfängers verfilberter Kupfer- draht von 1 mm Durchmefler benutzt. Ebenfo find fharfe Knicke in der Verdrahtung zu vermeiden.

Die Spulen.

Die verwendeten Spulenkörper find zweiteilig; fie beftehen aus dem Wickelkörper und dem Sockel mit Steckern. Diefes fowie die vorgefehenen Rillen ergeben eine bequeme Montagemöglichkeit. In Abb. 5 und 5a ift ein Spulenkörper mit den Wicklungen für den Ultrakurzwellenbereich fowie das Spulenfchema dargeftellt. Das obere Schaltichema gilt für Kurz- und das untere für Ultra- kurzwellen. Sinngemäß ift natürlich audı die Rückkopplung für das Ultrakurzwellen-Schaltfchema zu übertragen. Wie weiter aus Abb. 5 erfichtlich, findet der Antennenkopplungskondenfator für die Ultrakurzwellen von 15 cm Kapazität bequem innerhalb des Spulenkörpers feinen Platz.

Das Wickeln der Spulen beginnt mit der Antennenfpule, und zwar wird am unteren Rande nach folgender Tabelle begonnen:

Unten: Abb. 4 Der Holzrahmen.

Rects: Abb.5. Der Antennenkopplungs- kondenfator befindet fich innerhalb des Spulenkörpers.

Tabelle der Windungszahlen

Wellenbereich: | Spule Li | Abftand | Spule L2 | Abftand | Spule L3

Ultrakurz 2 —_ 1 Wde. 2 Wdg. 21/, Wdg. 12—20 m 4 Wdg. 111/32 Wag. 41/» Wde. 4 Wdg. 31/, Wde. 16,5—29,5 m 5 Wdg. 12 Wdg. 8 Wdg. 4 Wdg. 51/, Wdg. 283—51 m 5 Wdg. .4Wdg. I 171/» Wdg. 2 Wdg. 6 Wdg.

Es empfiehlt fich, beim Wickeln aucd die halben Windungen einzuhalten. Damit wird eine gute Verteilung der Wiclungs- enden innerhalb des Spulenkörpers erreicht, außerdem werden Kurzfchlüffe der blanken Drähte vermieden. Die Antennen-An- kopplung ift fo lofe als möglich gewählt wörden, um Scdiwing- löcher weiteftgehend auszugleidıen. Einige Hinweife betreffend Spulenmontage werden den Nachbau erleichtern. Die Enden von L, und L, werden innerhalb des Wickelkörpers gut verdrillt und ein Ende nad K geführt. Vorher werden die bereits in den Steckerenden vorgefehenen kleinen Durchführungen auf Draht- ftärke (1 mm) erweitert und alsdann die firamm durchgezogenen Drahtenden kurz abgekniffen und verlötet. Um eine Deforma- tion des leicht fchmelzenden Trolitulkörpers zu vermeiden, muß das Löten flott mit einem heißen, fauberen Kolben erfolgen. Wenn die Spule dann zufriedenftellend ihren Dienft verrichtet, werden Sockel und Körper durch ganz wenig Benzol zufammen- gekittet. Um die Spulen tatfächlich mit einem Griff wechfeln zu können, ift darauf zu achten, daß der Spulengriff immer diefelbe Richtung zu den Steckern erhält.

Leiftung und Antenne.

Die Empfangserfolge entichädigen reichlich die aufgewendete Mühe. Verfafler fteht nur eine Dachboden-Antenne von insge- famt 22 m Länge zur Verfügung. Trotzdem kommen viele euro- päifche Stationen am Tage und abends nach zweifacher Verftär- kung in Ortsfenderlautftärke herein. Ebenfo fiehen gelegentlich aucd. einige Überfeefender erftgenannten in der Lautftärke nicht

Stücklilte

Name und Anfdrift der Herftellerfirmen für die im Muftergerät verwen-

deten Einzelteile teilt die Schriftleitung auf Anfrage gegen Rückporto mit.

Beziehen Sie diefe Einzelteile durch Ihren Radiohändler! Sie erhalten fie hier zu Originalpreifen.

1 C 1: Präzifions-Drehkondenfator mit Feinabftiimmung und Skala (85 cm)

1 C2: Trolitul-Rückkopplungs-Drehkondenfator (250 cm)

4 Trolitul-Kurzwellenkörper

1 Dr?2: Ferrocart-Kurzwellendrofiel

1 NF-Trafo

1 NDr: Netzdroffel für geringfte Belaftung

1 raufchfreies Potentiometer 2—3 Watt (25 K2)

10 m verfilberter Kupferdraht

Netztrafo, div. Widerftände und Kondenfatoren ufw. (fiche Text und Abb. 1) und evtl. Vorwiderftände je nadı Höhe der Sekundärfipannung

1 Dreipolröhre 904, 4110, A 6, 495

1 Gleichrichterröhre Tungsram 504, 430

263

SE 2 9

A 10000 -=0: Das vollftändige Schalt- bild des Vorfetzers. DL 504 %

viel nach. Um nur einige zu nennen: Bandoeng auf 29,24, Sche- nectady auf 19,56 und nachts Schenectady auf 31,80.

Der Ultrakurzwellenfender Witzleben wird nach langfamem Durchdrehen der Skala bald gefunden und erfceint ungefähr in der Mitte der Skala. Hier in ca. 10 Km Entfernung ift die Laut- ftiärke gut, in 33 Km Entfernung vom Sender dagegen brachte ein Verfuh an einem proviforifch ausgelegten Draht von 5 m Länge nur mäßigen Erfolg. Wichtig ift alfo die Güte der Antenne. Empfang ift möglich an Antennen von 0,5 m Länge, ebenfo an foldhen von 3,5 m. Auch mittels eines Kondenfators von ca. 100 pF am Gasrohr und am Netz angefdıloflen war einwandfreier Emp- fang möglich.

Für UKW-Empfang befonders zu beachten.

Zum Schluß noch einige wichtige Punkte für den Ultrakurz- wellenempfang: Wenn nämlich letzterer einwandfrei gelingt, fo it damit die Gewißheit gegeben, daß auch der Empfang der Kurzwellen beftens gelingt: 1. Einwandfreie Erdleitung; der oft verwendete Baumwolldraht 0,8 mm ift für diefen Zweck ungenü- gend; 2. ein Gegengewicht ift einer fchlechten Erdleitung über- legen; 3. mechanifch abfolut ftabiler Aufbau des Gerätes; 4. die Verbindung zwifdhen Vorfatzgerät und Verftärker muß kurz ge- halten werden.

Schlußwort.

Und nun frifh ans Werk! Der Kurzwellen-Tagesempfang bie- tet eine bedeutend größere Auswahl von lautftarken, fernen Sendern als der Rundfunkempfänger; und außerdem bringt uns die Befhäftigung mit den ultrakurzen Wellen dem Fernfehgerät einen Schritt näher. Die Koften für den Vorfetzer find gering. Wenn man alles als neu zu kaufen anfetzt, fo kommt man nodı nicht einmal auf etwa RM. 35.—. B. Thiel.

MM u. Ft A TE If,

Kurzwellenempfang bleibt periodenartig völlig aus Der Dellinger-Effekt, wieder ein neues Empfangsphänomen

Das Wunder der Kurzwellen mact felbft den routinierten Fachleuten noch hie und da Kopfzerbrechen. Gegenwärtig fteht die Wiflenfchaft vor einem neuen, eigenartigen Problem, das uns um fo intereflanter erfcdheint, als es offenbar mit anderen kosmi- fdıen Vorgängen in der Ionofphäre zufammenhängt und uns viel- leicht eine endgültige Klärung der großen Geheimnifle des Erd- magnetismus bringen wird.

Den Stein bradıte Dr. J. H. Dellinger vom ‚National Bureau of Standards“ ins Rollen. Er beobachtete am 10. Oktober eine allgemeine Beflerung des Kurzwellenempfanges und gleichzeitig auch den Beginn einer bemerkenswerten Steigerung der Sonnen- fleckentätigkeit. Zwifchen dem 21. und 23. Oktober erreichten die Tageslautftärken entfernter Kurzwellenfender ihr Maximum, das die normalen auftretenden Empfangslautftärken bei weitem über- traf. Am 24. Oktober jedoch war der Empfang außerordentlidı fchledıt, während er an den nachfolgenden Tagen wieder normale Werte annahm. Gleichzeitig mit der EmpfangsverfÄlecterung wurde im ‚National Bureau of Standards“ feftgeftellt, daß die Höhe einer beftimmten Schidıt der Ionofphäre am 24. Oktober von einer normalen Höhe von etwa 250 km auf den außerordent- lich hohen Wert von 460 km fchoß.

Veranlaßt wurden diefe Beobachtungen des 24. Oktober durch eine eigenartige Ausbreitungserfcheinung der Kurzwellen, die periodenartig am 20. März, 12. Mai, 6. Juli und am 30. Auguft feftgeftellt wurde. Am 12. Mai z. B. beobachtete die in der Nähe von Paris gelegene franzöfifche Empfangsftation ‚Radio Cen- tral“ einen plötzlichen Ausfall des Kurzwellenempfangs zwifchen 12.57 Uhr und 13.15 Uhr MEZ. Diefe Erfcdieinung, von der man anfangs glaubte, daß fie auf eine Betriebsftörung zurückzuführen fei, wurde zur felben Zeit auch von der Empfangsftation der „Radio Corporation of America“ in Riverhead und der Emp-

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fangsftation der „American Telephone & Telegraph“ in Netcong regifltriert. Das plötzliche völlige Verfchwinden des Kurzwellen- empfangs ließ fich in genau demfelben Ausmaß aucı am 20. März zwifchen 02.50 Uhr und 03.05 Uhr beobachten und gleichfalls am 6. Juli zwifchen 15.09 Uhr und 15.25 Uhr, fowie am 30. Auguft zwifchen 23.20 Uhr und 23.35 Uhr. Daraus ergibt fich, daß diefes Totalfading periodenartig mindeftens innerhalb eines Zeitraumes von 54 Tagen auftritt und durchfähnittlich eine Viertelftunde lang andauert. Der Zeitraum von 54 Tagen entfpricıt der Dauer, den die Sonne für zwei Umdrehungen benötigt. (Die Erfcheinung wurde durchwegs auf der Tagesfeite der E